Motivation

Der weltweit steigende Bedarf an Ressourcen, die Rohstoffknappheit und neue EU-Vorgaben bieten eine gute Ausgangsbasis für das Urban Mining. Der Kerngedanke dieses Ansatzes besteht darin, aus Zivilisationsabfällen und Produktionsreststoffen Wertstoffe zu gewinnen. Bisher werden jedoch Sekundärrohstoffe im Sinne der Kreislaufführung nur unzureichend erschlossen, da sich etablierte Stoffkreisläufe hauptsächlich auf  solche Materialien konzentrieren, die wie z.B. Altglas oder Altpapier als Monofraktion vorliegen. Verbundmaterialien, bei denen es sich oft um hochwertige Stoffe und Materialien handelt, bleiben weitestgehend unberücksichtigt. Gründe hierfür sind u.a. fehlende Aufbereitungstechniken und unzureichende logistische Strukturen. Doch immer mehr Unternehmen erkennen das Potenzial von Sekundärrohstoffen für ihre Aktivitäten. Um die Attraktivität des Einsatzes von Sekundärrohstoffen zu steigern, bedarf es robuster Logistiksysteme, die  den hohen Qualitäts- und Lieferanforderungen der Abnehmer entsprechen. Insbesondere Entsorgungsunternehmen müssen verstärkt in die Supply Chain Strukturen der Industrieunternehmen eingebunden werden.

Ziel des Projekts

Das Verbundprojekt "Tray Cycling - Logistics for Urban Mining" (kurz: TraCy) leistet durch Umsetzung der Logistik für Urban Mining einen wichtigen Beitrag zur konsequenten Rückgewinnung verbrauchter Stoffe/Abfälle sowie der vollständigen Weiterverwendung von Nebenprodukten aus industriellen Prozessen. Einen wichtigen Aspekt stellt dabei die Integration von Sekundärrohstofflieferanten in das Supply Chain Management  (SCM) produzierender Unternehmen dar. Diese ist derzeit nur sehr unzureichend ausgeprägt, da beide Seiten deutliche Unterschiede in der Abwicklung ihrer Geschäftsprozesse, dem Einsatz von Technik sowie der Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren aufweisen. So werden beispielsweise im Handel und Produktion Ladungsträger wie Europaletten oder Gitterboxen eingesetzt, während die Entsorgungswirtschaft Abfallbehälter verschiedenster Art (vom Müllgroßbehälter bis hin zum Container) nutzt. In Handel und Produktion wird bereits seit vielen Jahren die RFID-Technologie im Frequenzbereich 868 Mhz verwendet - in der Entsorgung wird diese Technologie jedoch erst seit einigen Jahren und zudem im Frequenzbereich von 134,2 kHz eingesetzt. Diese sind nur einige Beispiele, die zeigen, dass beide Seiten lernen müssen, "die gleiche Sprache" zu sprechen, um Wertstoffkreisläufe in der Realität zur Zufriedenheit aller umsetzen zu können.

Im TraCy-Projekt werden hierfür aus der Übertragung von SCM-Prozessen aus Handel und Produktion auf die Entsorgungswirtschaft geeignete Instrumente entwickelt, mit denen Entsorgungsunternehmen als zuverlässige (Sekundär-)Rohstofflieferanten etabliert und in die Lage versetzt werden, den hohen Anforderungen der Abnehmer nachzukommen. Berücksichtigt werden hierbei u.a. Methoden des Stoffstrommanagements, des unternehmensübergreifenden Behältermanagements, der Kopplung von Ver- und Entsorgung sowie die IT-technische Unterstützung der gesamten Kreislaufwirtschaftsprozesse.

Innovationen

Die wesentliche Innovation besteht im Aufbau von Logistik- und Managementsystemen nach den Regeln des Supply Chain Managements, durch die Entsorgungsunternehmen ihrer zukünftigen Rolle als Rohstofflieferant gerecht werden. Erprobt werden diese im Rahmen eines Versuchsfeldes für die Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen aus Verbundwerkstoffen. Unter der Berücksichtigung von Schnittstellen und Technikstandards entsteht ein standardisiertes Logistikkonzept für die Ver- und Entsorgung auf Basis von Mehrwegbehältern. Für die Planung, Steuerung und Optimierung aller notwendigen Prozesse, wie z.B. die Beschaffung oder die Distribution erfolgt die Entwicklung eines Informations- und Kommunikationssystems für das Ressourcenmanagement. Die integrierten Bestands- und Stoffstrommanagementsysteme ermöglichen nicht nur eine verbesserte Bestandsführung, sondern auch das Treffen von verlässlichen Aussagen über die Verfügbarkeit und Qualität von Sekundärrohstoffen.

EffizienzCluster LogistikRuhr

»TraCy - Tray Cycling, Logistics for Urban Mining« ist eines der mehr als  30 Verbundprojekte des EffizienzCluster LogistikRuhr, der 2010 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Spitzencluster ausgezeichnet wurde. Das Ziel: Die Logistik von morgen mit 75 Prozent der Ressourcen von heute erforschen und entwickeln. Die Verbundprojekte des EffizienzCluster LogistikRuhr sind sieben strategischen Leitthemen zugeorndet, die die zentralen Innovationsbereiche des Clusters abbilden. Das Projekt TraCy folgt dabei dem Leitthema "Umwelt im Fokus". In den Projekten dieses Leitthemas entwickeln  die Forscher Lösungen und Konzepte zur Umwelt- und Ressourcenschonung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Derzeit wird bei der Betrachtung der Wertschöpfungskette oft der Gedanke der Kreislaufwirtschaft vernachlässigt. Bei dieser Problematik setzt das Verbundprojekt »TraCy - Tray Cycling, Logistics for Urban Mining« an. Um die Nutzung von Sekundärrohstoffen zu erhöhen, müssen Stoffkreisläufe geschlossen werden. Dies geschieht mit der Entwicklung von entsorgergerechten Logistik- und Supply Chain Management Systemen. Die Kreislaufführung von Stoffen wird unterstützt durch einen Mehrweg-Behälterpool, welcher für die Ver- und Entsorgung gleichermaßen einsetzbar ist.

»TraCy« leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Ressourcensicherung durch die Ermöglichung einer effizienten Produktion von Sekundärrohstoffen. Die entwickelten Werkzeuge und Daten für Strategien, Planung und Steuerung begleiten den Paradigmenwechsel von einer Entsorgungs- zu einer Ressourcenwirtschaft und somit zu einem nachhaltigen Wirtschaften.

 

Projektpartner

 

BioCycling_m

 

 

 

IFEU

 

 

Interseroh_m

 

 

schoeller_m

 

 

tegos_m

 

 

zeitec_m